Jede vierte Person, die aktuell in Deutschland eine Schule besucht, leidet laut dem Tagesspiegel unter psychischen Problemen, die durch die Bildungseinrichtung selbst ausgelöst oder zumindest verstärkt werden. Dazu gehören Stress, Angst und Schlafstörungen. Also von 28 Kindern in einer Klasse haben 7 Kinder psychische Probleme. Das heißt, dass sicher auch in unserer Schule Kinder unter Stress und Angst leiden.
Die Ursachen hierfür sind einerseits Leistungsdruck, Angst vor schlechten Noten, aber bei manchen auch noch zusätzlicher Erwartungsdruck von ihren Eltern und auch von den Lehrkräften. Der Zeitstress und die Überforderung sind weitere Stressoren: Zu viele und auch schwierige Hausaufgaben in zu wenig Zeit. Hinzu kommen leider für zu viele Kinder Mobbing und wenig familiäre Unterstützung. Auch Medien und Reizüberflutung spielen eine wichtige Rolle: Tiktok und Snapchat führen einerseits selbst zu Stressreaktionen und lenken andererseits von wesentlichen Dingen ab, sodass die Arbeitsorganisation darunter leidet und der schulische Druck sich noch verstärkt – ein Teufelskreislauf.
Der Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Ingo Spitczok von Brisinski erklärt, dass sich Stress bei Kindern und Jugendlichen auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen können. Häufige körperliche Symptome sind Kopf- und Bauchschmerzen. Laut dem Arzt reagieren überforderte Jugendliche außerdem oft mit psychischen Symptomen. Manche werden antriebslos und haben große Probleme, frühmorgens aufzustehen. Andere werden dauerhaft traurig, ziehen sich zurück und vernachlässigen Freund_innen und Hobbys. Auch Konzentrationsmangel, Reizbarkeit und Aggressivität können laut dem Experten Symptome für Stress sein. Für den Arzt ist ebenfalls typisch, dass die körperlichen Beschwerden am Wochenende oder in den Ferien nachlassen.
Matilda, 17, 11. Klasse hat sich in einem Interview zu diesem Thema geäußert:
,,Als junges Kind habe ich mich auf die Schule gefreut. Ich bin ein neugieriger Mensch, ich möchte etwas lernen. In der Grundschule hatte ich nie Probleme und viel Spaß. Ab der 8. Klasse wurde es stressiger. In fast allen Fächern geht um pures, stupides Auswendiglernen. (…) Dass Schule kein unbedingt lustiger Ort ist, hatte ich vorher schon verstanden. Auch meine Freund_innen haben verinnerlicht, dass es uns wegen der Schule schlechtgeht. Wenn wir uns abends oder am Wochenende treffen und die Rede auf die Schule kommt, sagen alle: „Nee, fang nicht damit an, ich will einmal nicht an Schule denken müssen!”
Überraschend ist, dass 63% der befragten Jugendlichen auch Druck auf sich selbst ausüben und von sich aus besser in der Schule sein möchten. Manchmal ist hier der Leistungsdruck sogar höher als bei Eltern und Lehrkräften. Auffällig ist auch, dass Mädchen einen höheren Anspruch (73% ) an sich selbst haben als Jungen mit 54%. Und sie haben auch häufiger Angst vor schlechten Noten (52% zu 38%). Insgesamt trifft es auf ein Drittel der Schüler_innen zu, sich mindestens einmal pro Woche gestresst zu fühlen. Auch Matilda kennt diese Gefühl:
„Jetzt reiß dich mal zusammen!“ – Ja, den Satz höre ich häufiger. Und ich sage ihn mir selbst immer wieder vor. Das ist gefährlich. Das Wichtigste im Leben ist, zu lernen, was einem guttut. Aber die Schule bringt mir bei: Du bist krank? Macht nichts! Komm trotzdem.”
Lara, 18, 12. Klasse redet offen über dieses Problem:
,,Ich schlafe meistens schlecht ein, weil mir das Horrorszenario durch den Kopf geht: Schaffe ich mein Abi nicht, schaffe ich mein Leben nicht. Ich weiß auch von anderen, dass sie bis tief in die Nacht hinein arbeiten und lernen. Ich habe oft ganz schlimme Bauchschmerzen. Mein Herz rast ganz doll, ich zittere. Viele Mitschüler_innen haben Kopfschmerzen. Manche melden sich krank, nehmen sich einen Tag Auszeit, weil sie nicht mehr können, und schlafen erst mal. Die geraten dann natürlich in einen Teufelskreislauf, weil sie mehr nachholen müssen. Ich kenne einige, die an Depressionen leiden.”
Was hat sich in einer Stresssituation bewährt? Für viele bringt das Musikhören eine gute Entspannung und auch einen Rückzugsort. Auch Sport und Filmeschauen kann in belasteten Tagen beruhigen. Hilfreich ist sicher auch Struktur und Organisation in den Alltag bringen, Lernstoff planen, Pausen machen und unnötige Hektik vermeiden.
Ganz wichtig ist es, ausreichend Schlaf zu bekommen und sich gesund und vitaminreich zu ernähren. Auf den schnellen Burger zwischendurch verzichten.
Was man außerdem reduzieren sollte, ist Koffein und was man ganz vermeiden sollte, ist Nikotin oder aufputschende Drogen – auch wenn Stress und Angst lähmen.
Josi, 18, 12. Klasse erzählt:
„Von Sonntag auf Montag schlafe ich immer schlecht, sogar in den Ferien. In mir sitzt der Gedanke: Montags geht wieder eine Kackwoche los. Habe ich genug gelernt? Ich konnte mich immer gut anpassen ans Schulsystem. Ich bin sehr ehrgeizig. Aber wenn ich Stress habe, wird mir übelst schlecht. Ich denke, ich muss mich komplett übergeben. Das war früher nicht so. Alle wissen, mentale und körperliche Gesundheit hängen zusammen.”
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Lia R
