“Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” ist ein Netzwerk, welches sich aktiv gegen Diskriminierung einsetzt. Auch unsere Schule gehört seit diesem Schuljahr dazu. Schulen, die diesen Titel tragen, entwickeln Projekte gegen Rassismus und Diskriminierung. Sie schauen nicht einfach weg, wenn es zu rassistischen Vorfällen kommt, und sie bemühen sich um ein Schulklima, in dem sich jeder wohlfühlt.
Seit diesem Schuljahr will unsere Schule (neben rund 4.800 andere Schulen in Deutschland) das Label dieses Netzwerks verwirklichen. Sich aktiv gegen alle Formen der Diskriminierung einsetzen: Von Rassismus über Mobbing bis hin zu Sexismus, Klassismus oder Antisemitismus. Bei uns an der Schule gibt es seit langem solche Aktionen und Projekte zur Demokratieerziehung. In der Zukunft soll es nicht nur mehr geben, sondern vor allem werden wir Schüler_innen sie organisieren.
Wir haben an unserer Schule mit einigen Personen über die Bedeutung des neuen Labels und ihren persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus gesprochen.
Stefan Fooß ist einer der Initiatoren des Courage-Projektes und berichtet, welche Verantwortung er in dem Projekt hat. Er begleitete das Projekt „Schule ohne Rassismus Schule mit Courage“ von Anfang an. Gemeinsam mit zwei seiner Kolleginnen und einer Gruppe von Schüler_innen hat er bereits während der Projekttage Exkursionen und Workshops organisiert, die der Umsetzung dieser Idee, Netzwerkschule zu werden, dienten. Er war entscheidend daran beteiligt, dass unsere Schulgemeinschaft eine Wahl durchführte, deren Ergebnis zeigte, dass das Projekt am WRG mehrheitlich Unterstützung fand. Für Herrn Fooß spielen der Titel des Projekts und das respektvolle Miteinander eine sehr wichtige Rolle. Diskriminierung dürfe in der Schule kein Platz haben. Rassismus und Diskriminierung müssten frühzeitig erkannt und thematisiert werden. Wenn während des Unterrichts rassistische Bemerkungen fallen, reagiere er sofort, weist sie zurück und entkräftet sie. Er betont, dass die Schule kein Ort für Diskriminierung sein dürfe. Ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen, hält er nicht nur für wichtig, sondern auch für selbstverständlich.
Aleyna Akkoyun und Dani Makkouk (8b) haben über das Projekt aus ihrer Sicht berichtet. Sie sagen, dass „Schule ohne Rassismus Schule mit Courage“ für sie bedeutet, dass die Schule gegen Rassismus kämpft und sich gegen Diskriminierung einsetzt. Das Label ist für sie sehr wichtig, weil es zeigt, dass die Schule klar gegen Rassismus ist. Beide haben schon erlebt, dass Menschen diskriminiert wurden, sie beobachteten zum Beispiel, dass Personen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Aussehens ausgelacht oder beleidigt wurden. Damit sich alle an der Schule wohler fühlen, finden sie, dass es mehr Projekte zu diesem Thema geben sollte. So kann man mehr darüber lernen und Vorurteile abbauen. Aleyna und Dani wünschen sich mehr Projekte, bei denen sich die Schüler_innen mit Rassismus/Diskriminierung beschäftigen und erkennen, dass sie selbst solche Verhaltensmuster ausgeprägt haben, da unsere Gesellschaft – obwohl sie demokratisch ist – diskriminierende Strukturen aufweist. Aus diesem Grund wollten Sie auch das Projekt Schule mit Courage voranbringen. Ihnen ist das Thema wichtig und sie wollen, dass ihre Schule Teil des Netzwerkes wird. Außerdem erzählen beide von eigenen Erfahrungen mit Diskriminierung. Aleyna berichtet, dass eine Lehrerin an ihrer Grundschule deutsche Kinder besser behandelt habe, als Kinder mit Migrationshintergrund. Dani erzählt von einer Situation, in der eine ältere Frau ihn dafür kritisierte, dass er griechisch sprach und meinte, man solle in Deutschland nur Deutsch sprechen. Trotzdem macht ihnen die Arbeit an dem Projekt Spaß. Besonders gut finden sie es, auf Augenhöhe mit ihren Lehrkräften über das Thema zu diskutieren, Ideen zu sammeln und Projekte zu planen. Ziel ist es, dass sich alle an der Schule sicher und respektiert fühlen.
Dana und Rebecca sind jüdisch und berichten von ihren Erfahrungen mit Antisemitismus. Beide haben bereits antisemitische Kommentare erlebt. Dazu gehören Beleidigungen, Schuldzuweisungen über Juden sowie verletzende Witze, zum Beispiel über Geld oder das Aussehen. Außerdem wurden sie wegen ihrer jüdischen Identität angegriffen zum Beispiel aufgrund von deren Davidsternkette. Dafür wurden sie schief angeschaut, auch in sozialen Netzwerken direkt beleidigt. Im Umgang mit Antisemitismus versuchen beide, sich zu wehren und Unterstützung zu suchen. Sie äußern sich gegen antisemitische Aussagen, bilden sich weiter und wenden sich an Menschen, die helfen können und bereits Erfahrungen mit solchen Situationen haben. Ob sie die Kommentare persönlich nehmen, hängt davon ab, von wem sie kommen und wie sie gemeint sind. Als wichtige Tipps sagen sie, dass es keine Schwäche ist, einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Wenn eine Situation eskaliert und jemand aggressiv wird, sollte man nicht diskutieren, sondern Abstand halten und Hilfe holen. Außerdem betonen Dana und Rebecca, dass man seine Identität niemandem erklären muss.
Eine andere Schülerin, die anonym bleiben möchte, antwortet auf die Frage, ob sie schon einmal rassistische Kommentare erlebt habe, dass dies häufig geschehe, auch in der Schule. Auf die Frage, wie sie damit umgehe, erklärt sie, dass sie versuche, diese Kommentare zu ignorieren. Ob sie die Aussagen persönlich nehme, verneinte sie größtenteils, merkte aber an, dass es trotzdem nervig sei. Als Tipp, wie man gegen solche Situationen vorgehen könne, riet sie, sich die Kommentare nicht zu Herzen zu nehmen, zu versuchen, darüber zu stehen, oder mit jemandem darüber zu sprechen.
Aus diesen Erfahrungsberichten schließen wir, dass Diskriminierung leider auch an unserer Schule eine große Rolle spielt, die das Leben von unseren Mitschüler_innen beeinflusst. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, das Ziel des Labels zu verwirklichen und die Augen offen zu halten.
~ von Ava Phantos & Marie German
